Linz erinnert
Die Stadt als Ort der Erinnerung

Auftraggeber:
Magistrat der Landeshauptstadt Linz
Kultur und Bildung

Jahr: 2022

Die Erinnerungszeichen des Künstlers Andreas Strauss sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüdinnen und Juden.

Klingel als Metapher und interaktives Element des Erinnerns

Jede der im Linzer Stadtraum situierten Stele ist aus Messing gefertigt. Darauf sind Name und Geburtsjahr der Opfer des Nationalsozialismus sowie Angaben zur Deportation, Ermordung oder Flucht graviert. Der Aufstellungsort befindet sich freistehend in der Nähe von jenen Straßenzügen, wo diese Personen ihre letzte, frei gewählte Wohnadresse in Linz zum Zeitpunkt „Anschlusses“ an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 hatten. Direkt neben den Namen sind an der Stele mechanische Türklingeln angebracht, die, wenn man sie drückt, einen leisen Klingelton erzeugen. 

Der Künstler Andreas Strauss stellt die Klingel als mehrdeutige Metapher des Erinnerns ins Zentrum seiner Gestaltung, die sowohl Assoziationen des Daheim- und Zuhause-Seins hervorruft als auch den Moment des gewaltsamen Abholens beschreibt. Der Akt des „Anläutens“ stellt einen emotionalen Kontakt zu den Vertriebenen und Ermordeten her und lässt die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schwinden.

Gestaltung im Dienst der Erinnerung

Gemeinsam mit dem Künstler Andreas Strauss begleiteten wir die gestalterische Umsetzung der Erinnerungszeichen und ihre Übersetzung in den digitalen Raum. Von der typografischen Ausarbeitung über die Gestaltung der Stelen bis zur visuellen Sprache der Website entstand ein System, das den Charakter des Kunstprojekts unterstützt.

Vom Erinnerungszeichen zum Web-Memorial

Mit linzerinnert.at wurde das Kunstprojekt um eine digitale Ebene erweitert. Die Website macht sämtliche Erinnerungszeichen über eine interaktive Karte zugänglich und verknüpft Standorte, historische Daten und Kurzbiografien zu einem digitalen Gedächtnis der Stadt. Das Web-Memorial ermöglicht es, die Geschichten hinter den Stelen zu entdecken und individuelle Lebenswege nachzuvollziehen. 

Erinnerung, die zugänglich bleibt
Die Erinnerungszeichen verbinden Kunst, historische Forschung und öffentliche Erinnerungskultur. Sie verankern die Schicksale verfolgter, vertriebener und ermordeter Linzer:innen dauerhaft im Stadtraum und schaffen einen Ort des individuellen Gedenkens. Mit dem Web-Memorial wird diese Form des Erinnerns erweitert und langfristig zugänglich gemacht. 

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